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Wie läuft eine Unternehmensbewertung praktisch ab?


Im folgenden soll dem Unternehmer, der eine Bewertung seines Unternehmens ins Auge fasst, eine weniger wissenschaftliche, dafür aber hoffentlich erfassbare Darstellung gegeben werden, wie eine Unternehmensbewertung praktisch abläuft. Die Darstellung beschreibt die Wertermittlung nach dem vom Standard: Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertungen (IDW S 1 i.d.F. 2008), Stand 02.04.2008, des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e. V. empfohlenen Ertragswert­verfahren. Sie gilt für Einzelunternehmen, OHGs, KGs, GmbHs sowie GmbH und Co. KGs. Bei Aktiengesellschaften sind mehrere ergänzende Ermittlungen vorzunehmen, die hier nicht berücksichtigt sind.

Ermittlung einer Zukunftsprognose

Die Unternehmensbewertung basiert auf den zukünftigen Erfolgszahlen, welche zum Bewertungsstichtag absehbar sind.

Nach einem einführenden Gespräch, in welchem geklärt wird was für ein Wertgutachten für welchen Zweck erstellt werden soll, ermitteln wir die betrieblichen Daten. Gegebenenfalls werden diese nach erfolgsrelevanten Gruppen aufgegliedert.

Die Daten werden dann um Werte, die sich aus künftig nicht mehr wirksamen Faktoren herleiten, bereinigt.

Aus dem verbleibenden Daten und einer vorhandenen oder extra zu erstellenden Prognose der Unternehmensentwicklung werden die Werte für die folgenden Jahre entwickelt. Sind zum Bewertungsstichtag keine größeren Veränderungen absehbar, reicht eine kurze Prognose, wenn solche Veränderungen mit hinreichender Sicherheit absehbar sind, muss einer längere Prognose erstellt werden, welche diese Veränderungen bis zu einer anschließenden Phase der Kontinuität fortentwickelt.

Hiernach haben wir das Datenmaterial einer Zukunftsprognose, als erste Bewertungsgrundlage.

Ermittlung des Kapitalisierungszinssatzes

Die prognostizierten Erlöse werden, wie Fachmann sagt, abgezinst. Damit werden die für spätere Zeiträume ermittelten Erträge grundsätzlich geringer bewertet. Für diese Abzinsung sind die Rendite alternativer Anlagemöglichkeiten, Entwicklungstendenzen sowie Chancen und Risiken maßgeblich.

Zunächst wird der Basiszinssatz ermittelt. Hierunter versteht man den Zinssatz, den ein potentieller Erwerber oder auch der Inhaber des Unternehmens - hierzu ist anfangs der Zweck des Gutachtens zu bestimmen - im Falle einer anderen, den Bedingungen nach vergleichbaren Anlage erzielen würde. Diese Alternativanlage soll eine risikofreie sein, da Risiken erst im folgenden Schritt eingehen. Praktisch werden hierzu (heute muss man sagen: hoffentlich) risikofreie Bundesanleihen herangezogen. Da der Erwerb oder Besitz eines Unternehmens grundsätzlich nicht für einen befristeten Zeitraum vorgesehen ist, müsste der Zinssatz einer unbefristeten Bundesanleihe hergenommen werden. Da Bundesanleihen jedoch immer befristet sind, muss aus den Zinssätzen der befristeten Anleihen der fiktive Zinssatz einer fiktiven unbefristeten Anleihe abgeleitet werden. Dies geschieht vermittels der so genannten Zinsstrukturkurve, welche die Zinssätze für die Anleihen aller Laufzeiten abbildet, und die man versucht, auf Anleihen mit einer unbefristeten Laufzeit fortzubilden.

Nachdem man nun einen abstrakten, für alle Unternehmen gleichen Basiszinssatz hat, müssen unternehmensspezifische Umständen Berücksichtigung finden. Dies geschieht in Form eines Risikozuschlags. Dieser wiederum gliedert sich in eine Marktrisikoprämie, die für alle vergleichbaren Unternehmen gleichermaßen gilt und den so genannten Betafaktor, der die spezifischen Risiken des zu bewertenden Unternehmens selbst berücksichtigt.

Der dritte relevante Faktor ist der so genannte Wachstumsabschlag. Dieser berücksichtigt ein prognostiziertes Wachstum des Ertrages. Da der Kapitalisierungszins zu einer Verringerung der Bewertungsergebnisse führt, muss sich ein prognostiziertes Wachstum naturgemäß zu einer Reduzierung des Kapitalisierungszinses realisieren, deshalb "Abschlag". Bei einer zu prognostizierenden Regression der Erträge ist hier natürlich ein Zuschlag vorzunehmen. In der Bewertungspraxis spielt dieses Korrektiv eine untergeordnete Rolle, da sich die Entwicklung des Ertrags einfacher in der anfangs vorzunehmenden Prognose der Ertragsentwicklung selbst darstellen lässt. So wird diese Entwicklung in der Regel bereits in der Ertragsprognose und nicht beim Kapitalisierungszinssatz berücksichtigt.

Aus dem Basiszinssatz, der hier zu berücksichtigenden, auf die Rendite anfallende persönliche Ertragsteuer des potentiellen Erwerbers oder des Inhabers, dem Risikozuschlag und gegebenenfalls dem Wachstumsabschlag bildet sich also der Kapitalisierungszinssatz. Dieser kann, je nach den bewertungsrelevanten Umständen für alle Betrachtungsjahr einheitlich oder aber für jedes Jahr in spezifischer Höhe ermittelt werden.

Berechnung des Barwerts der prognostizierten Erträge

Aus den prognostizierten Erträgen und dem Kapitalisierungszinssatz wird nun der Barwert errechnet. Dies ist reine Mathematik. Zu unterscheiden ist dabei in die aus den prognostizierten Jahreserträgen zu bildende Barwert und den Wert der über diesen Zeitraum hinausgehenden so genannten unendlichen Rente.

Bewertung des nicht betriebsnotwendigen Vermögens

Vermögensteile des Unternehmens, welche für die der Bewertung zugrundegelegte, prognostizierte Entwicklung nicht benötigt werden, können theoretisch veräußert werden. Der Veräußerungswert dieses Vermögens, auch Liquidationswert genannt, ist zu ermitteln und dem vorstehend dargestellten Barwert der Erträge hinzuzurechnen.

Gegenprobe: Liquidationswert des gesamten Unternehmens

Im folgenden Schritt - tatsächlich zeitlich parallel - ist der Liquidationswert des Unternehmens festzustellen, also dass, was der Inhaber erhalten würde, wenn er den Betrieb einstellt und die verbleibenden Werte veräußert.

Praktisch wird der Liquidationswert dann, wenn sich bei der eingehenden Erstellung der Prognose zeigt, dass das Unternehmen einen hinreichenden Ertrag abwerfen wird, keine Rolle spielen, so dass er nur groß geschätzt wird.

Nur dann, wenn die Ertragsprognose schlecht ist und sich eine Fortführung bzw. ein Erwerb des Unternehmens kaum oder nicht lohnt, ist der Liquidationswert konkret zu ermitteln.

Plausibilitätskontrolle

Am Ende findet eine Plausibiltätsbeurteilung des Bewertungsergebnisses statt, günstigerweise indem man die tatsächlichen Veräußerungserlöse bei vergleichbaren Unternehmen oder - da solche Vergleichswerte häufig nicht zu finden sind - die Kurse börsennotierter vergleichbarer Unternehmen betrachtet.

Da auch solche Börsenwerte häufig nicht vorliegen, bietet sich für die Plausibilitätsprüfung eine überschlägige Bewertung nach anderen Bewertungsmodellen an.


Das Unternehmenswertgutachten


Dieser gesamte Vorgang findet im Wertgutachten seinen Niederschlag.

Für die Erstellung dieses Gutachtens sind im Standard: Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertungen (IDW S 1 i.d.F. 2008), Stand 02.04.2008, des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e. V. (IDW) Grundsätze und Mindestinhalte vorgegeben.

Im Hinblick auf diesen Standard, aber auch auf das vorstehend nur grob umrissene Procedere sei hier die Bemerkung erlaubt, dass die gern von den mit der Buchhaltung und Steuerberatung betrauten Büros eingeholten tabellarischen Wertermittlungen kaum den tatsächlichen Unternehmenswert wiedergeben. Die Wertermittlung durch einen praktisch mit der Bewertung von Unternehmen und Unternehmensteilen befassten Gutachter ist hier wirklich zu empfehlen.


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